von Dominik Märkl, Geschäftsführer, OneStop Pro Software Solutions GmbH

Ich höre diesen Satz regelmäßig. In Erstgesprächen, auf Messen, manchmal sogar von Kunden, die bereits seit Jahren mit uns arbeiten und rückblickend beschreiben, wie ihr Betrieb früher funktioniert hat. „Wir haben das schon immer so gemacht. Es hat immer funktioniert.“
Ich zweifle nie am guten Willen derjenigen, die das sagen. Und ich zweifle auch nicht daran, dass es tatsächlich funktioniert hat – irgendwie. Was mich beschäftigt, ist die implizite Gleichsetzung: hat funktioniert und ist gut genug. Denn das sind zwei sehr unterschiedliche Aussagen.

Der Status quo hat einen Preis – er ist nur schwer sichtbar

Wer keine digitale Geräteverwaltung einsetzt, verliert kein Geld auf einen Schlag. Es gibt keine Rechnung, keine rote Zahl im Jahresabschluss, die eindeutig auf fehlende Digitalisierung zurückzuführen wäre. Der Verlust ist diffus: Er verteilt sich auf Suchanfragen, die zwanzig Minuten dauern. Auf Maschinen, die auf einer Baustelle stehen und auf einer anderen gebraucht werden. Auf Wartungen, die um vier Wochen zu spät durchgeführt werden, weil niemand den Überblick hatte. Auf Leerfahrten, die niemand zählt. Unsichtbare Kosten sind nicht weniger real als sichtbare. Sie sind nur schwerer zu bekämpfen, weil man ihren Ursprung erst identifizieren muss, bevor man handeln kann.

Zwei Personen im Besprechungsraum

Wir begleiten die Einführung Schritt für Schritt und stehen jederzeit unterstützend zur Seite.

Der Status quo schickt keine Rechnung – aber er kostet die Zukunft. Nur weil das Festhalten an alten Routinen heute keine direkten Kosten verursacht, ist ein ”Das haben wir schon immer so gemacht” kein Geschäftsmodell für morgen. Wer im rasanten Wandel der Baubranche auf unsichtbare Verlustzeiten und mangelnde Digitalisierung setzt, verliert still, aber stetig an Boden. Die eigentliche Frage ist nicht, was die Veränderung kostet, sondern wie lange man sich das Nicht-Handeln noch leisten kann.

In Gesprächen mit Baubetrieben verschiedenster Größe – von Handwerksbetrieben mit zehn Mitarbeitern bis zu Bauunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten – stoße ich immer wieder auf dieselbe Struktur: Die Kosten des Ist-Zustands werden selten gemessen, weil man sie für unvermeidbar hält, weil sie nicht auffallen oder weil es unbequem und anstrengend ist, sich zu hinterfragen. Sie sind Teil des Alltags geworden. Man hat sich eingerichtet und arrangiert.

Warum Routinen so stabil sind – und warum das ein Problem ist

Die Beharrlichkeit von Routinen ist mittlerweile gut erforscht. Menschen und Organisationen optimieren nicht automatisch auf das beste Ergebnis hin – sie optimieren auf Vorhersehbarkeit und Sicherheit. Eine Arbeitsweise, die bekannt ist und keine unmittelbaren Katastrophen produziert, wird beibehalten, auch wenn eine bessere Variante existiert.

Das ist keine Faulheit und kein Unwille. Es ist menschlich und aus evolutionärer Sicht sogar sinnvoll. In einer Umgebung, die sich schnell verändert, ist dieses Prinzip allerdings ein Nachteil. Die Baubranche verändert sich gerade schneller, als viele Betriebe registrieren: Fachkräftemangel, gestiegene Materialkosten, komplexere Projekte mit engeren Margen, zunehmende regulatorische Anforderungen. Wer unter diesen Bedingungen auf Routinen setzt, die für eine andere Zeit entwickelt wurden, verliert an Boden – still, aber stetig.

Was Daten zeigen: Digitalisierung im Bauwesen ist eine Ausnahme, keine Regel

Deutschland und seine Baubranche hinken beim Thema Digitalisierung strukturell hinterher. Das Beratungsunternehmen McKinsey hat in seiner vielzitierten Analyse “Imagining Construction’s Digital Future” die Baubranche als eine der am wenigsten digitalisierten Industrien weltweit eingestuft – hinter Landwirtschaft, hinter dem Bergbau. Das bedeutet: Während andere Sektoren in den letzten Jahren massive Produktivitätsgewinne durch Automatisierung und Daten erzielt haben, stagniert die Bauproduktivität in weiten Teilen. Das ist kein Zufall. Es ist die direkte Konsequenz davon, dass funktionierend mit “gut genug” gleichgesetzt wird.

In unserem eigenen Kundenstamm sehen wir, was passiert, wenn Betriebe den Schritt zur digitalen Geräteverwaltung vollziehen: Die durchschnittliche Suchzeit für Maschinen und Geräte sinkt drastisch. Fehlinvestitionen – also Neuanschaffungen, die nur deshalb getätigt werden, weil vorhandenes Equipment nicht auffindbar ist – werden vermieden. Wartungsintervalle werden eingehalten, was die Lebensdauer von Maschinen nachweislich verlängert und teure Ausfälle reduziert. Das sind keine theoretischen Szenarien oder Buzzwords. Das sind Ergebnisse, die Kunden in ganz konkreten Zahlen beschreiben.

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Die eigentliche Frage: Was kostet das Nicht-Handeln?

Wenn ich über einen konkreten Kundennutzen und Mehrwerte durch den Einsatz einer digitalen Lösung spreche, erlebe ich oft, dass die Kostenfrage sofort auf Investitionen gelenkt wird: Was kostet die Software? Was kostet die Hardware? Was kostet die Einführung? Das sind legitime Fragen. Aber sie greifen zu kurz, wenn die Gegenseite der Gleichung ausgeblendet bleibt.

Was kostet es, wenn ein Mitarbeiter täglich zwanzig Minuten damit verbringt, ein Gerät zu suchen? Bei einem Betrieb mit fünfzehn Mitarbeitern, die alle gelegentlich in diese Situation kommen, summiert sich das auf substanzielle Personalstunden pro Jahr – für eine Tätigkeit, die keinen Wert schöpft. Was kostet eine ungeplante Maschinenpanne, weil eine fällige Inspektion übersehen wurde? Was kostet eine Doppelbestellung, weil unklar war, dass ein identisches Gerät auf einer anderen Baustelle ungenutzt steht? Was kostet es, wenn Mitarbeiter manuell auf Stift und Zettel von einigen Baumaschinen, die Betriebsstunden erfassen, um diese dann wieder händisch in eine Excel einzutragen?

Diese Fragen werden selten gestellt, weil die Antworten selten sauber dokumentiert sind. Die Kosten des Nicht-Handelns sind Opportunitätskosten – sie zeigen sich nicht in einer Zeile des Betriebsergebnisses, sondern im Delta zwischen dem, was ein Betrieb leistet, und dem, was er leisten könnte.

Veränderung braucht keine Revolution, bunte PowerPoint-Folien, oder KI-Gedöns, sondern Klarheit und Ehrlichkeit zu sich selbst

Ich plädiere nicht dafür, alles auf einmal umzuwerfen. Das wäre unrealistisch und in der Praxis kontraproduktiv. Betriebe, die funktionierende Prozesse vorschnell aufgeben, riskieren Reibungsverluste, die kurzfristig mehr Schaden anrichten als der erhoffte Gewinn.

Was ich stattdessen erlebe: Die erfolgreichsten Projekte beginnen mit einer nüchternen Bestandsaufnahme (Wo stehen wir heute? Was und wie machen wir es heute?) Nicht mit der Frage „Was kaufen wir?“, sondern mit der Frage „Wo verlieren wir gerade Zeit und Geld, ohne es zu merken?“ Diese Analyse ist oft ernüchternd – und gleichzeitig der wertvollste erste Schritt. Wenn ein Unternehmen einmal verstanden hat, wo die stillen Verluste entstehen, verändert sich die Investitionsentscheidung fundamental. Es geht nicht mehr darum, ob man sich eine digitale Lösung leisten kann. Es geht darum, ob man sich den Verzicht noch leisten kann.

Viele Betriebe, die heute noch auf analoge Prozesse setzen, tun das nicht aus Sturheit. Sie tun es, weil niemand ihnen gezeigt hat, was konkret anders werden würde. „Wir machen das schon immer so“ ist kein Fehler. Es ist ein Ausgangspunkt. Die Frage ist, ob man es dabei belässt.

Quelle: McKinsey & Company (2016): Imagining construction’s digital future. Veröffentlicht am 24. Juni 2016. Autoren: Rajat Agarwal, Shankar Chandrasekaran und Mukund Sridhar. Online verfügbar unter: McKinsey & Company.

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